Weihnachtsabend von Theodor Storm, Weihnachtsgedichte

» Wenn du aus Liebe heiratest, hast du schöne Nächte und schlechte Tage. «
24.09.2018 11:34:24 

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Weihnachtsgedicht Weihnachtsabend


Bettelkind     Weihnachtsabend

Weihnachtsabend Theodor Storm Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
Der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war's; durch alle Gassen scholl
Der Kinderjubel und des Markts Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,
Drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr;
"Kauft, lieber Herr!" Ein magres Händchen hielt
Feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor, und beim Laternenschein
Sah ich ein bleiches Kinderangesicht;
Wes Alters und Geschlecht es mochte sein,
Erkannt ich im Vorübertreiben nicht.

Nur von dem Treppenstein, darauf es saß,
Noch immer hört ich, mühsam wie es schien;
"Kauft, lieber Herr!" den Ruf ohn Unterlass;
Doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? - War's Ungeschick, war es die Scham,
Am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh meine Hand zu meiner Börse kam,
Verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Doch als ich endlich war mit mir allein,
Erfasste mich die Angst im Herzen so,
Als säß mein Kind auf jenem Stein
Und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

Theodor Storm




Das Weihnachtsgedicht "Weihnachtsabend" von Theodor Storm erinnert uns, dass es auch am Weihnachtsabend nicht allen Menschen gut geht. Die Stimmung, die Storm hier eingefangen hat, die Sorgen und Nöte von Menschen, hilft uns, unsere eigenen Probleme nicht
zu hoch anzusetzen und an die Menschen zu denken, denen es nicht so gut geht.